Mittwoch, 01. März 2017

Patient des Monats März 2017

Die Schmerzen kommen meist nachts

Liebe Leserinnen und Leser,

jeden Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle künftig einen typischen Fall aus dem Behandlungsspektrum unserer Orthopädischen Universitätsklinik. Die Berichte basieren auf Tatsachen, sind aber selbstverständlich anonymisiert. Auf diese Weise möchten wir Sie anschaulich und ganz konkret über unterschiedliche Krankheitsbilder, deren Diagnostik und Therapie sowie das Leistungsspektrum unserer Fachklinik informieren.

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Von dem Knochentumor Osteoid-Osteom sind häufig junge Menschen betroffen / Das Beispiel einer 30-jährigen Patientin aus Hessen 

Frankfurt am Main, März 2017. Die Schmerzen kommen meist nachts – sie strahlen lokal aus und sprechen gut auf Aspirin an. Damit ist Aspirin zugleich auch ein gängiges Diagnoseinstrument. Wie beim Fall der 30-jährigen Frau aus Maintal bei Frankfurt. Bei ihr wurde so in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim ein gutartiger Tumor festgestellt.

Die junge Patientin, berichtet Oberarzt Dr. Christoph Fleege von der Klinik für Wirbelsäulenorthopädie des Friedrichsheims, klagte plötzlich über Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich. Die Abteilung steht unter der Leitung von Chefarzt Prof. Michael Rauschmann.

Offensichtlicher Auslöser der Schmerzen waren wohl die ruckartigen Bewegungen bei einem intensiven Tischtennisspiel. Die Patientin aus dem Rhein-Main-Gebiet wandte sich daraufhin an einen niedergelassenen Hausarzt in ihrer Region. Der ließ eine Aufnahme mittels Magnetresonanztomographie (MRT) anfertigen. Dort war eine so genannte unklare Raumforderung zu erkennen. Also: Dort hatte sich im Bereich der Halswirbelsäule etwas gebildet, was da normalerweise nicht hingehört.

Doch zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, um was es sich bei der jungen Frau konkret handelte. Die Ärzte gingen zwar von einem Tumor aus. Wobei der Begriff Tumor erst einmal neutral gemeint ist, erklärt Oberarzt Dr. Christoph Fleege – ob es sich um eine gut-oder bösartige Geschwulst handelt, musste erst noch genau geklärt werden.

Deshalb starteten die Ärzte in der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt am Main einen so genannten Aspirin-Testversuch, denn ihr Verdacht ging in die Richtung eines Osteoid-Osteoms. Osteoid-Osteome sind kleine, aber gutartige Knochentumoren, die aber dennoch starke Schmerzen verursachen.

Die betroffenen Patienten haben hauptsächlich nächtliche Schmerzen. Dagegen wird Aspirin als Schmerzmittel gegeben; denn diese Art der Tumoren spricht extrem gut auf Aspirin an – weil die Tumoren eine gute Durchblutungssituation aufweisen und das Mittel deshalb gut wirken kann.

In der Regel haben die meisten Patienten auf Grund der Therapie sehr rasch – aber meist nur für eine kurze Zeit – kaum mehr oder gar keine Beschwerden. Eine dauerhafte Lösung ist diese Art der Schmerzbekämpfung deshalb nicht.

In der Orthopädischen Universitätsklinik, berichtet Oberarzt Dr. Fleege, wurde die Patientin aus Maintal deshalb operiert. Der Tumor, das Osteoid-Osteom, wurde aus dem Knochen an der Halswirbelsäule ausgefräst. Bereits zwei Tage nach dem Eingriff konnte die Patientin das Krankenhaus verlassen.

Allerdings war die Diagnose zuvor anhand des entfernten Gewebes nicht ganz so einfach zu stellen. Denn ein pathologisches Institut war sich nicht ganz sicher, ob es sich wirklich um ein Osteoid-Osteom handelte. Daraufhin wurde ein zweites Institut als Referenz zu Rate gezogen. Und das bestätigte dann die Diagnose. Damit war aber zugleich auch klar: Mit dem operativen Eingriff war die Therapie für die junge Patientin erfolgreich beendet. Lediglich einige Kontrolluntersuchungen mussten noch folgen.

Osteoid-Osteome machen etwa 15 Prozent aller Knochentumoren aus. Sie treten gehäuft bei Patienten zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr auf. Meist sind Jungen und junge Männer betroffen – dreimal so häufig wie Frauen. Eine typische Diagnostik bei diesem Krankheitsbild besteht aus bildgeben Verfahren wie CT und MRT und dem Aspirin-Test. Osteoid-Osteome können zwar auch konservativ – also ohne Operation ausheilen: Doch das dauert zwischen zwei und sieben Jahren. So lange wollen die allermeisten Patienten verständlicherweise nicht warten und unterziehen sich deshalb einer Operation.

Ein wichtiges Kriterium zur Feststellung des Ausmaßes und der Schwere der Erkrankung ist die Größe des Tumors, erläutert der Leitende Oberarzt Dr. Christoph Fleege. Ist das Osteoid-Osteom größer als etwa 1,5 Zentimeter, kann daraus ein Osetoblastom entstehen. Dabei handelt es sich zwar auch um einen gutartigen, aber aggressiv wachsenden Tumor. Er macht fünf Prozent aller Tumoren an der Wirbelsäule aus.