Samstag, 01. April 2017

Patient des Monats April 2017

Patienten profitieren von deutlich längerer Schmerzfreiheit

Liebe Leserinnen und Leser,

jeden Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle künftig einen typischen Fall aus dem Behandlungsspektrum unserer Orthopädischen Universitätsklinik. Die Berichte basieren auf Tatsachen, sind aber selbstverständlich anonymisiert. Auf diese Weise möchten wir Sie anschaulich und ganz konkret über unterschiedliche Krankheitsbilder, deren Diagnostik und Therapie sowie das Leistungsspektrum unserer Fachklinik informieren.

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Mit der endoskopische Facetten-Denervierung werden Nerven verödet und Schmerzen genommen / Das Beispiel einer 60-jährigen Wirbelsäulen-Patientin aus Offenbach 

Frankfurt am Main, April 2017. Viele Patienten benötigen wegen Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule irgendwann eine Versteifungsoperation. Damit wird die Wirbelsäule im betroffenen Teil der Erkrankung stabilisiert. Mit einer innovativen Methode lässt sich eine Versteifungsoperation zwar nicht verhindern, aber doch deutlich hinauszögern. Dieses endoskopische Verfahren wird in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt am Main seit einigen Monaten eingesetzt. Mit Erfolg, wie das Beispiel einer 60-jährigen Frau aus dem benachbarten Offenbach zeigt.

Die Patientin war schon bei niedergelassenen Ärzten und in anderen Kliniken der Region in vielfacher Weise versorgt worden, berichtet Oberarzt Dr. Christoph Fleege von der Klinik für Wirbelsäulenorthopädie des Friedrichsheims. Die Abteilung steht unter der Leitung von Chefarzt Prof. Michael Rauschmann.

Ursache ihrer Beschwerden ist eine degenerative Verschleißerkrankung an der Wirbelsäule. Betroffen sind insbesondere die Facettengelenke, kleine Wirbelgelenke, die als Folge einer Spondylarthrose (Facettensyndrom) verschlissen sind. Das führt zu einer Reizung der Gelenkkapsel. Es entstehen Schmerzen, die von den Patienten als unspezifische, aber sehr belastende Rückenschmerzen wahrgenommen werden.

Dagegen bekam die 60-jährige Patientin unter anderem konventionelle Spritzen sowie Computertomograph-gesteuerten Infiltrationen, bei denen das Schmerzmittel direkt mit einer feinen Nadel und Bildkontrolle an die schmerzenden Stellen gebracht wird. Aber ein nachhaltiger Behandlungserfolg stellte sich nicht ein, berichtet Oberarzt Dr. Fleege.

In der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt kam deshalb eine so genannte Hochfrequenzverödung zum Einsatz mit dem Ziel der Denervierung – also einer Schmerzausschaltung bzw. -Minimierung an den Nerven. Dabei bringt der Arzt eine feine Nadel an die betroffene Stelle in das Gewebe ein – und bei einer Temperatur von rund 80 Grad Celsius wird das Gewebe dort gleichsam verkocht.

Der Zweck des Ganzen ist, erklärt Oberarzt Dr. Fleege: „Die Nerven, die dort für die Schmerzempfindung zuständig sind, werden verödet. Auf diese Weise unterbrechen wir die Schmerzweiterleitung vom Rücken zum Gehirn, so dass die Patienten durch diese Behandlung weniger Rückenschmerzen empfinden.“ Dies ist aber nur für diese Art der Rückenschmerzen möglich, schränkt der Orthopäde ein, „das Verfahren greift zum Beispiel nicht bei ausstrahlenden Schmerzen, die bis in die Beine hinunterreichen“.

„Wir wissen“, sagt Dr. Christoph Fleege weiter, „dass diese Methode, die wir sonst standardmäßig tagtäglich beim Verschleiß des Facettengelenks anwenden, für einen gewissen Zeitraum hilft. Meist sind das zwischen drei Monate und drei Jahre. Aber dann regenerieren sich die Nerven wieder, und die Schmerzen kommen zurück, weil man nicht an den Ursachen, an dem Verschleiß, ansetzen kann.“

Deshalb setzt die orthopädische Universitätsklinik seit einiger Zeit ein weiteres Verfahren ein: die so genannte endoskopische Facetten-Denervierung. So war es auch bei der Patientin aus Offenbach.

Sie wurde mit einem kleinen Eingriff behandelt und bekam dafür eine kurze Narkose. Durch einen minimalen Hautstich führt der Arzt ein Endoskop ein und bringt damit die medizinischen Geräte bis hin zu den verschlissenen Facettengelenken. Das Endoskop transportiert einen kleinen Elektrokopf und eine Kamera. „Damit können wir dort die Strukturen wesentlich besser darstellen, weil wir nun wissen, wo die Nerven verlaufen. Und wir können die Verödung viel präziser vornehmen als nur mit einer Nadel unter Röntgenkontrolle“, betont Oberarzt Dr. Fleege.

Mehrere Dutzend Patientinnen und Patienten wurden bereits mit dem Verfahren in der Orthopädischen Universitätsklinik behandelt. Die Ergebnisse und ersten Auswertungen zeigen laut Dr. Fleege: Die Patienten profitieren von einer deutlich längeren Schmerzfreiheit bzw. Schmerzlinderung im Vergleich zur herkömmlichen Verödung.

Das bedeutet auch: Patienten haben die gute Perspektive, dass eine sonst notwendige größere operative Versteifungsoperation hinausgeschoben werden kann. Und das erst einmal mit einem kleinen und wenig belastenden Eingriff.