Mittwoch, 06. Mai 2015

Gesundheitstipp des Monats Mai 2015

Schmerz – eine ganz individuelle Sache

Schmerzen klopfen, pochen, stechen, bohren, brennen kribbeln, elektrisieren – und sie quälen!

Viele Wörter eignen sich, um den Schmerz zu beschreiben, denn jeder Mensch fühlt ihn anders. Doch der Körper sendet hiermit ein Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Das Alarmsignal Schmerz nimmt seinen Ausgang in Haut und Organen. Dort verfügt der menschliche Körper über spezielle Sensoren, die Nozizeptoren. Sie senden über spezielle Schmerzfasern Signale ins Rückenmark, die dort verarbeitet werden und ins Gehirn gelangen. Erst dann kann über komplexe Mechanismen der Schmerz überhaupt wahrgenommen werden.

Schmerz gehört zu den ältesten Symptomen, für die Menschen Behandlungsmöglichkeiten suchen. Gerade akute Schmerzen haben eine Warnfunktion und dienen als Hinweis auf bestehende Erkrankungen. Ziel ist es hier, dass die Schmerzen zuerst gelindert werden und nach einer gewissen Zeit komplett verschwinden.

Die meisten Menschen suchen in diesem Fall den Arzt auf. Zuerst werden dort Fragen nach der Ursache des Schmerzes und wie man den Schmerz behandeln kann, geklärt. Heutzutage folgen Ärzte zumeist einem individualisierten Schmerzverständnis. Dieses bezieht den ganzen Menschen mit ein.  Handelt es sich um einen akuten Schmerz, so verordnet der behandelnde Arzt ein Schmerzmittel, angelehnt an das Schmerztherapie-Schema der Weltgesundheitsorganisation.

Im Gegensatz hierzu geht der chronische Schmerz über den Zeitraum, in dem normalerweise eine Linderung und Heilung einhergeht, hinaus. Dabei kann es sich um Wochen, Monate oder sogar Jahre handeln. In diesem Fall gibt es bei den betroffenen Patienten meist mehrere Faktoren aus dem physischen, psychischen und sozialen Bereich, die zur Fortführung des Schmerzes über einen längeren Zeitraum führen. Neben der Behebung der Ursache müssen hier auch die anderen Komponenten  mit einbezogen werden. Ein umfassendes, interdisziplinäres Schmerzmanagement ist hier unerlässlich, eine alleinige Therapie mit Schmerzmitteln ist für den chronischen Schmerz nicht ausreichend. Ist die Diagnose erst einmal gestellt, kann eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapie erfolgen. Hierbei gilt das Ziel: Ausreichende Wirksamkeit bei akzeptabler Verträglichkeit.

Besonders erfolgversprechend ist eine multimodale Schmerztherapie, die interdisziplinär und multimodal erfolgt. Hier arbeiten verschiedene Fachdisziplinen von Ärzten und Therapeuten zusammen. Bei chronischen Rückenschmerzen zum Beispiel kooperieren Hausärzte, Orthopäden, Psychologen und Physiotherapeuten. Neben Medikamenten (Schmerzmitteln, Schmerzkathetern), kommen auch psychotherapeutische Verfahren, Physiotherapie sowie Sport- und Ergotherapie zum Einsatz. Ist der Schmerz chronifiziert, so hat er sich verselbstständigt und wird zum eigenen Problem. Patienten sprechen oft vom Schmerzgedächtnis,  das biochemische und physiologische Veränderungen an den Rezeptoren von Rückenmark und Gehirn, die zum Dauerschmerz führen, beschreibt. Bei einer effektiven Schmerztherapie sollen die Schmerzen gelindert werden, der Patient soll lernen, mit den Schmerzen  zu leben und seine Angst zu verlieren.

Der chronische Schmerz ist ein vielschichtiges Krankheitsbild und erfordert neben der  Behandlung der körperlichen Symptome auch einen ganzheitlichen Ansatz, der die psychischen und sozialen Aspekte  der Betroffenen mit einbezieht. Genau hier setzt das multimodale Schmerzkonzept an, das an die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten angepasst werden kann.

Die multimodale Schmerztherapie wird seit Jahren zur Behandlung chronischer Schmerzen erfolgreich in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim gGmbH eingesetzt. Gerne informieren wir Sie in unserer Sprechstunde.