Bücher und Gespräche

Zehn ehrenamtlich tätige Damen betreiben die beliebte Patientenbibliothek in der Klinik

Schon in den 80-er Jahren wurde der Service ins Leben gerufen – doch von seiner Aktualität hat er auch rund drei Jahrzehnte später nichts verloren. Denn die mobile Patientenbibliothek der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Dafür sorgen zehn Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren und (nicht nur) um die Lektüre für Patientinnen und Patienten kümmern.

Die durchweg positive Resonanz bei den Patienten, berichtet Alida Lenz von der Gruppe der Ehrenamtlichen, hat natürlich viel mit der Bibliothek zu tun, die Patienten Abwechslung und anregende Lektüre in den Klinikalltag bringt. Aber das bibliophile Engagement der zehn Damen birgt auch noch einen ganz anderen Aspekt: Es steht für Zuwendung, Zuhören und Zeit schenken. Denn über die Büchertitel und -themen entsteht so manches Gespräch, wird Einsamkeit durchbrochen und erhalten Patienten ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte.

Patientenbibliothek besteht seit 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts

Darin liegt auch ein wesentlicher Grund, warum die rollende Patientenbibliothek in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim auch in Zeiten von handlichen Tablets und Smartphones nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt hat. Geboren wurden die Idee und die Patientenbibliothek selbst in den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – in einer Zeit, in der Fernsehgeräte in Kliniken noch kaum verbreitet waren und die Aufenthalte im Krankenhaus für Patienten deutlich länger dauerten als dies heute der Fall ist. Deshalb stand seinerzeit vor allem der Gedanke im Vordergrund, Patienten Abwechslung und Freude zu bereiten, erinnert sich Alida Lenz. Heute kümmert sich sie gemeinsam mit neun weiteren Frauen um die Patientenbibliothek. Zum ehrenamtlich tätigen Team gehören weiter Christiana von Aulock, Annette Franz, Ute Grasse, Helga Grellert, Helgard Koblischek, Antonia Krist-Günster, Jutta Paul, Beatrix Riesenhuber und Sabine Schwarz.

Taschenbücher – leicht und handlich für orthopädische Patienten

In den Anfangsstunden wurde der Buch-Grundstein vor allem mit finanziellen Mitteln des Trägervereins der Klinik und des Internationalen Women’s Club of Frankfurt gelegt. Der Club, dem acht der ehrenamtlich tätigen Damen angehören, und die Klinik selbst bestreiten auch heute noch das Jahresbudget der Bibliothek. Denn im Angebot gibt es keine gespendeten Bücher in gebrauchtem Zustand. Alle Druckerzeugnisse werden neu gekauft – und das im Taschenbuchformat. Denn gebundene Bücher sind für orthopädische Patienten oft zu schwer und unhandlich. Seit einigen Jahren erweitern auch Hörbücher das vielfältige Sortiment. Die Ausleihe der Bücher und Hörbücher ist kostenlos, lediglich für das Abspielgerät wird eine Kaution fällig, die bei der Rückgabe des Geräts zurückerstattet wird.

Stets aktuelle Buchauswahl

Alle zehn Ehrenamtlichen sind an der Auswahl der Bücher beteiligt. Jede folgt dabei ein Stück weit dem eigenen Geschmack, und natürlich wird auch geschaut, was gerade neu auf dem Büchermarkt erschienen ist. Zudem werden die Rückmeldungen und Wünsche der Patienten mit aufgenommen, um die Bibliothek zu bestücken und dabei stets aktuell und attraktiv zu sein. Somit ist Vielfalt gewährleistet. Zum Beispiel sind jüngst mit „Engel im Winter“ von Guillaume Musso und „Ich bin Malala“ von Malala Yousafzai zwei viel beachtete Bücher neu in das Sortiment der Klinikbibliothek aufgenommen worden.

Aktuell bietet die Bibliothek mehrere Hundert Werke an; für jede oder jeden ist damit etwas dabei. Einmal in der Woche, meist dienstags oder mittwochs, besuchen die Damen die Patienten mit der rollenden Bücherei auf den vier Stationen der Klinik. Sie machen dabei in jedem Zimmer halt. Die Bücher können für die Dauer des gesamten Klinikaufenthaltes ohne zeitliche Begrenzung ausgeliehen werden.

Neben Büchern wird den Patienten viel Zeit geboten

"Die Patienten freuen sich sehr über die Bücher und die rollende Bibliothek", sagt Alida Lenz. Auch wenn die Patienten oftmals selbst eigene Bücher oder ein Tablet dabei hätten. Viele seien aber offen für Anregungen, neue Ideen und bisher unbekannte Bücher. Außerdem fungiert das Buch dann als Vehikel für ein Gespräch. "Wir bieten den Patienten neben den Büchern auch viel Zeit", berichtet Alida Lenz: "Sie sind sehr angetan von der Zuwendung und von einem netten Kontakt, denn das durchbricht ihren Klinikalltag."